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  • Ein Loblied auf den Genuss

    Ein Loblied auf den Genuss –
    Die „Fahrenden Gaukler“ spielen „So viel Krach in einer Nacht

    Nein, der neue Vikar ist es nicht, der mit Rentierpulli und modisch fragwürdiger Mittelscheitelfrisur im Wirtshaus „Zur Goldenen Gans“ sitzt und in lupenreinem Hochdeutsch über die Cholesterinwerte des ihm soeben vorgesetzten Landfrühstücks doziert. Wirtin Agnes, Turnerfrauenvorstand Rosemarie und Kirchenorganistin Martha lauschen gebannt dem beängstigenden Vortrag des „Herrn Joschi“ über Fette, Kohlenhydrate und das vegetative (oder vegetarische?) Nervensystem. Schnell sind Blankoschecks zum Erwerb kalorienfrei kochender Wundertopfsets und dazu kompatibler Wunderherde unterzeichnet. Während die Damen hoffnungsvoll ihre Koffer für die von Herrn Joschi heftig beworbene Gesundheitswoche packen, firmiert Wirtin Agnes ohne Wissen des Hausherrn noch rasch per Zeitungsinserat die „Goldene Gans“ zum künftigen „Gesundheitsapostel“ um.

    Ein Wunder ist es freilich nicht, Klick zur Vergrößerungdass die Damen dem Betrüger im Rentierpulli ganz widerstandslos erliegen. Die ihnen zugehörigen Herren – Gustl, der Wirt, Pius, der Viehhändler und Peter, der Messner – haben sich gemeinsam mit dem Kosmetikhändler „Schmieren-Sepp“ fast den ganzen Sonntagvormittag mit Karteln und Saufen vertrieben. Angesichts des bedauernswerten Zustands ihrer Ehen, in heftigen Wortgefechten immer wieder aufs Neue inszeniert, wundert es nicht, dass die beabsichtigte Gesundheitswoche allen wie ein Geschenk des Himmels daher kommt. Auch die Männer sehen sich in der Spur: Flugs geht es in die Stadt zum Saufen und Aufreißen.

    Klick zur VergrößerungDie Damen werden nach einer elenden Zugfahrt den Betrug entdecken, während die Herren den hieraus resultierenden Vorteil im ehelichen Machtspiel durch eine allzu freigiebige Sauftour in der Stadt, von der sie mit der illustren Bardame Lilly heimkehren, verspielen. Derweil wird das Publikum von einem weiteren Drama in den Bann gezogen: Die Magd Vroni soll mit dem Knecht Martin verkuppelt werden. Eine schwierige Aufgabe für Familienschelm Opa Alfons, der sich mit vorgetäuschter körperlicher Hinfälligkeit einen Full-Service im Hause erschwindelt hat. Klick zur VergrößerungNachdem er der Vroni beim Huckepacktran sport jammernd ins Kreuz gepinkelt hat, bemüht er sich redlich, ihr zu erklären, dass sie einen Mann zum Kinderkriegen braucht – und hat Erfolg: Es folgt Vronis Metamorphose von der rüden, schmutzigen Dumpfbacke zur engagierten Heiratskandidatin, die, einmal angesteckt, den armen Martin nicht mehr ziehen lässt.

    Friesenhausen, 19:00 Uhr: Es ist die Stunde der „Fahrenden Gaukler“.

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    Und die sind wieder einmal mit Feuer dabei: Andrea Meub und Manuela Wolf als leichtgläubige Dorfweiber Martha und Rosemarie, Stefan Conrad als schmieriger Joschi, Thomas Glückert als naiver Schmieren-Sepp, Birgit Unrath als vielschichtige Lilly, Jürgen Sauerteig als pfennigfuchsender Pius, Dieter Hegemann als behäbiger Peter mit dem Talent zum effektvollen Bierflaschenöffnen. Ulrike Weisheit und Erhard Wolf spielen sich als tumbes Pärchen Vroni und Martin mit unfassbar komischer Mimik und Gestik in die Herzen der Zuschauer. Herbert Buchner und Susanne Karch jagen einander als Wirtsehepaar Gustl und Agnes brüllend auf der Bühne hin und her; man fragt sich, wie sie bei all ihren rasenden Tiraden überhaupt den Text behalten können. Und Georg Schuhmann als heimlicher Held Opa Alfons zittert, jammert, zetert, kichert, nörgelt, lügt, trickst und säuft sich mit einer Hingabe durch das Geschehen, an der man sich über den gesamten Abend einfach nicht satt sehen kann.

     

    Klick zur VergrößerungDie eigentliche Fabel des Stückes aber ist eine andere: Opas heimliche Kellerlager voller Wein und Sekt, seine schnapsgefüllte Wärmflasche, sein Achselhöhlen-Speisenreservoir, die ausgemergelten Gesichter der im „Gesundheitsapostel“ zurückgelassenen Männer, das anschließende Festgelage mit eilig herbei geschafften Würsten und Brot: Das ganze Stück ist eine einzige Hommage ans deftige Essen und Trinken. Kein Akteur auf der Bühne, der nicht irgendetwas zu sich nimmt, ja sogar Fräulein Lilly als letzte auftretende Akteurin schlürft genüsslich an einer Flasche Sekt. Was auch immer tatsächlich in den Flaschen ist – am Ende des zweiten Aktes wünscht man den Schauspielern eine Toilettenpause geradezu herbei. Und auch die Fabel verfängt: Der anfangs ganz herzig auftretende Joschi wird dem Publikum durch seinen Gesundheitsfraß bald zur Hassfigur, und es geschieht ihm nur recht, dass ihm der von seiner Agnes auf fleischlose Diät gesetzte Wirt Gustl irgendwann das trockene Müsli bis zum Beinahe-Ersticken in den Rachen stopft.

    Ein verlässlicher Plot, treffsichere Effekte und vor allem die unendliche Spielfreude der „Fahrenden Gaukler“ machen auch das diesjährige Stück „So viel Krach in einer Nacht“ zu einem Erlebnis. Die Fähigkeit des routinierten Ensembles, das Publikum immer wieder situativ in ihr Spiel einzubeziehen, verleiht dem Abend über eine bloße Theater-Darbietung hinaus echten Event-Charakter. Das Publikum dankt mit viel Gelächter und Applaus. Erst um Mitternacht ist Schluss.

    Größter Respekt gebührt Robert Markert, der nicht nur bewährt Regie führt, sondern auch über Stunden hinweg im engen Rücken des am Bühnenrand aufgebauten hölzernen Rednerpults hockt, dirigiert und souffliert.

    Und die vielen Helfer? Die quirlige Versorgungsmaschinerie des Sportvereins, der auch das Publikum mit Speis’ und Trank versorgt, ist wieder bestens organisiert. Nicht genug hervorheben kann man angesichts des bis zur wackeligen Deko-Gans auf dem Ofen authentischen Bühnenbildes auch wieder die Arbeit der fünf Buchners Herbert, Florian, Dominik, Maximilian und Felix, die in wochenlanger Arbeit ein wunderschönes Wirtshauszimmer erschaffen haben.

    Man will, nein: Man muss es einfach wieder haben.

    Y. Bruckauf

     

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