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Friesenhausen

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Geschichte:

Im Jahre 816 schenkte ein gewisser Frieso dem Kloster Fulda ein Stück Land im Gebiet des heutigen Ortes, doch sind die Wurzeln wohl noch älter. So fand man zwei Kilometer vom Dorf entfernt auf der Schwedenschanze Überreste einer Keltenfliehburg.
Der heute rund 350 Einwohner zählende Ort ist seit dem 18. Jahrhundert Marktflecken und stand einst unter der Herrschaft mehrerer Adelsgeschlechter. Für das Jahr 1521 sind die Truchseß von Wetzhausen und die Zollner von Rottenstein beglegt. Mindestens seit 1593 erscheinen in Friesenhausen die Marschalke vom Ostheim und um 1620 die Herren von Zobel. Fürstbischof Johann Gottfried II. von Guttenberg kaufte ab 1692 die Güter der Ostheimer und Schaumberger zu Friesenhausen, 1699 gingen sie an den Würzburger Domherrn Johann Philipp Fuchs von Dornheim, der auch Domherr zu Bamberg war. Dessen Erbnachfolger waren Philipp Erkambert von Dalberg und seine Frau Anna Sophia von Zobel. So blieb das Gut von 1729 an über 200 Jahre im Besitz derer von Dalberg, bis der letzte männliche Nachfahre, Reichsfreiherr Johannes von Dalberg, 1940 starb.
Ein Geheimtipp für Kunstinteressierte ist die katholische Schloss- und seit 1885 auch Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt, 1713-1715 im Auftrag des Domherrn Johann Philipp Fuchs von Dornheim erbaut. Sein Wappen, ein aufrecht stehender Fuchs, ist über Kircheneingang und Hauptaltar angebracht. Architekt war der fürstbischöfliche Stadt- und Landbaumeister Joseph Greising (1664-1721), der direkte Amtsvorgänger Balthasar Neumanns und einer der großen Barockarchitekten Frankens.
Der einschiffige Bau mit seinen drei Jochen und dem eingezogenen Apsidialchor wirkt durch die aufwändige Hausteinverblendung der eleganten Einturmfassade, die Pilastergliederungen und die stark profilierten Fensterrahmungen sehr plastisch. In Nischen links und rechts vom Eingang stehen Figuren des hl. Burkard und der hl. Kunigunde, Symbole für die Bistümer Würzburg und Bamberg, im Obergeschoss ein Christus Salvator.
Den prunkvoll im Spätbarockstil stuckierten Innenraum überwölbt eine Stichkappentonne auf toskanischen Pilastern. Die strengen Marmoraltäre mit ihren Säulen aus schwarzem Stuckmarmor stammen wie die Kanzel wohl aus der Werkstatt des Bildhauers Balthasar Esterbauer. Der Würzburger Hofmaler Georg Franz Mika schuf 1714 das Hochaltarblatt mit der Himmelfahrt Mariens, dem hl. Franz Xaver am linken und dem hl. Antonius von Padua am rechten Seitenaltar. Das große Kreuzigungsbild malte Johann Martin Bolster 1707. Erwähnenswert ist auch der um 1735 entstandene Orgelprospekt des Würzburger Hoforgelbauers Johann Philipp Seuffert.
Der Erbe des Bauherrn, Philipp Erkambert von Dalberg, ließ 1731/32 bei der Kirche ein Kapuzinerhospiz mit Garten errichten.
Die im gotischen Stil erbaute evangelische Pfarrkirche St. Georg, eine Saalkirche mit eingezogenem Fünfachtelchor, ist zum Teil noch aus vorreformatorischer Zeit und ursprüngliches Zentrum der 1404 erstmals erwähnten Pfarrei Friesenhausen. 1862 wurde der Turm erhöht und dem Langhaus eine neugotische Fassade vorgeblendet.
Ausgrabungen an den Chorbogenpfeilern haben Fundamente aus dem 12./13. Jahrhundert zu Tage gefördert, die auf einen älteren Kirchenfachwerkbau hinweisen. Am Türsturz des Turmaufgangs ist das Jahr 1510 eingemeißelt, im Netzgewölbe des Chors findet man Schlusssteine mit dem Wappen der Zollner, Der Truchseß von Wetzhausen und die Jahreszahl 1521.
Der Taufstein aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts trägt das Wappen der Marschalke von Ostheim, von denen sich auch zwei Epitaphe aus dem 16. Jahrhundert im Kircheninnern befinden. Weitere Epitaphe sind den Zobel und den Truchseß von Wetzhausen gewidmet. Bedeutsam ist die 1898 von Georg Friedrich Steinmeyer erbaut Orgel mit einem Gehäuse im Stil der Spätgotik von Joseph Schmitz.
Das eindrucksvollste, den Ort dominierende Schloss mit seinem romantischem Park errichteten im Kern die Marschalke von Ostheim um 1593 als Wasserschloss in kräftigen Renaissanceformen. Johann Philipp Fuchs von Dornheim ließ es 1700/1702 historisierend im Renaissancestil um zwei Flügel erweitern. Teile der Schlossausstattung wie Stuckdecken und Türen stammen noch aus dem frühen 18. Jahrhundert.
Die um 1730 entstandene Schlosseinfahrt mit ihren malerischen schmiedeeisernen Gittern rahmen wuchtige, mit Pinienzapfen bekrönte Pfeiler. Über den Nebeneingängen stehen Löwenplastiken mit den Wappen der Dalberg und Zobel. Eine steinerne Brücke von 1700 führt zum Schlosstor, das von zwei lebensgroßen, mit Lanzen bewehrten Turnierrittern aus Sandstein flankiert wird, die aufeinander zureiten. Ein amerikanischer Soldat hat den prächtigen Pferdeskulpturen 1945 zur Verbreiterung der Einfahrt die Vorderbeine abgeschlagen. Damals war die Anlage längst zweckentfremdet, denn 1938 hat man hier den weiblichen Arbeitsdienst untergebracht, 1945 russische „Fremdarbeiter”, danach ein Lazarett und schließlich ein Lager für Heimvertriebene. Nach kurzzeitiger Nutzung als Altenheim dient das Schloss heute wieder als Privatwohnung.

(aus dem Buch HASSBERGE - Ein Kunst- und Kulturführer durch den Landkreis”, herausgegeben vom Landkreis Haßberge)

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